Mieterstrom-Modelle: Lohnt sich Photovoltaik auf Mehrfamilienhäusern?

Der Ausbau der erneuerbaren Energien in urbanen Räumen ist ein zentraler Baustein der Energiewende. Während Photovoltaik (PV) auf Einfamilienhäusern längst zum Standard gehört, bergen Mehrfamilienhäuser ein enormes, bisher unzureichend genutztes Potenzial. Mieterstrom-Modelle bieten hier eine vielversprechende Lösung, um auch Mieter aktiv an der dezentralen Stromerzeugung teilhaben zu lassen. Doch wie genau funktionieren diese Modelle, und unter welchen Bedingungen lohnen sie sich für Vermieter und Mieter gleichermaßen?

Funktionsweise von Mieterstrom

Unter Mieterstrom versteht man Strom, der in einer Solaranlage auf dem Dach eines Wohngebäudes erzeugt und direkt, ohne Durchleitung durch das öffentliche Stromnetz, an die Letztverbraucher (Mieter) im selben Gebäude oder im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang geliefert wird. Der überschüssige Strom, der nicht vor Ort verbraucht wird, wird gegen eine gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung in das öffentliche Netz eingespeist. Wenn die Solaranlage nicht ausreichend Strom produziert, beispielsweise nachts oder im Winter, wird der zusätzliche Bedarf nahtlos aus dem öffentlichen Netz gedeckt. Der Vermieter oder ein beauftragter Dienstleister agiert dabei als Stromlieferant und übernimmt die rechtlichen und administrativen Pflichten.

Vorteile für Mieter und Vermieter

Für Mieter ist das Modell attraktiv, da der Mieterstrom in der Regel günstiger ist als der Strom aus dem öffentlichen Netz. Das Gesetz schreibt vor, dass der Preis für Mieterstrom mindestens zehn Prozent unter dem Grundversorgungstarif liegen muss. Dies führt zu spürbaren finanziellen Entlastungen und ermöglicht es Mietern, aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Für Vermieter steigert eine PV-Anlage mit Mieterstrom-Modell den Wert und die Attraktivität der Immobilie. Darüber hinaus können Vermieter zusätzliche Einnahmen durch den Stromverkauf und den gesetzlichen Mieterstromzuschlag generieren. Das Modell stärkt zudem die Bindung zwischen Mieter und Vermieter durch ein gemeinsames nachhaltiges Projekt.

Wirtschaftlichkeit und regulatorische Hürden

Die Wirtschaftlichkeit eines Mieterstrom-Projekts hängt von verschiedenen Faktoren ab: der Größe der PV-Anlage, der Anzahl der teilnehmenden Mieter und dem individuellen Stromverbrauchsprofil. Je höher der Anteil des direkt vor Ort verbrauchten Stroms, desto profitabler ist das Modell. Allerdings gelten Mieterstrom-Modelle in Deutschland als administrativ komplex. Vermieter werden rechtlich zu Energieversorgern, was mit umfangreichen Melde-, Mess- und Abrechnungspflichten einhergeht. Viele Eigentümer scheuen diesen bürokratischen Aufwand. Abhilfe können spezialisierte Contracting-Unternehmen schaffen, die als Betreiber auftreten und die gesamte Abwicklung übernehmen, sodass der Vermieter von den administrativen Aufgaben entlastet wird.

Neue gesetzliche Rahmenbedingungen

Um den Ausbau von Mieterstrom zu beschleunigen, hat der Gesetzgeber in den letzten Jahren Anpassungen vorgenommen. Mit der Einführung der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung wurde eine vereinfachte Alternative zum klassischen Mieterstrom geschaffen. Dieses Modell verzichtet auf den komplexen Lieferkettenmechanismus und konzentriert sich auf die direkte Verteilung der Solarenergie im Gebäude. Dennoch bleiben die Anforderungen an die Messtechnik hoch, da Viertelstundenwerte erfasst werden müssen. Es bleibt abzuwarten, wie stark diese neuen Regelungen den Markt beleben werden.

Fazit: Große Chance mit bürokratischen Hürden

Mieterstrom-Modelle sind ein unverzichtbares Instrument, um die Energiewende in die Städte zu tragen und Mieter an den Vorteilen der Solarenergie zu beteiligen. Während die ökologischen und sozialen Vorteile auf der Hand liegen, stellt die Umsetzung aufgrund regulatorischer und administrativer Hürden oft eine Herausforderung dar. Für Vermieter, die den Aufwand nicht scheuen oder auf professionelle Dienstleister zurückgreifen, bietet Mieterstrom eine hervorragende Möglichkeit, ihre Immobilien zukunftssicher aufzustellen, neue Einnahmequellen zu erschließen und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.